

Darauf gestoßen sind wir eher durch Zufall, fanden die Idee aber wirklich toll (besonders für unsere Tochter) und recherchierten weiter. Es gibt natürlich verschiedene Anbieter mit unterschiedlichen Konzepten. Wir entschieden uns für die Buchung bei Jean-Yves. Wir würden somit nicht in einer Gruppe umherfahren, sondern alleine für uns sein.
Übernachtet wir natürlich im Wagen (dort gibt es Doppelstockbetten, also Platz für max. 4 Personen). Mit diesem fährt man tagsüber herum und über Nacht steht er auf einem anderen Bauernhof/Campingplatz o.ä., wo es auch eine Unterbringungsmöglichkeit für das Pferd gibt. Bei letzterem handelt es sich um ziemlich gutmütige bretonische Kaltblüter, die sich (zum Glück) selten aus der Ruhe bringen lassen. Alle zwei Tage kommt man an den Ausgangsort zurück, so dass man dann auch bequem mit dem Auto einkaufen fahren kann, da vor Ort Selbstverpflegung herrscht und man ja in einer recht ländlichen Gegen unterwegs ist. Neben einer kleinen Kochgelegenheit und einer kleinen Kühltruhe hat man somit fast alles was man braucht. WC und Dusche wird dann vor Ort in den Unterkünften gestellt.
Natürlich hatte ich mir im Vorfeld trotzdem einige Sorgen gemacht.

Letzten Endes erwiesen sich die Sorgen mal wieder als unbegründet. Zwar brauchte ich einige Zeit, um in die Sprache wieder reinzukommen (mein letzter Frankreich-Aufenthalt war schon über 10 Jahre her) und in einem solch ländlichen Gebiet muss man es gar nicht erst mit einer Fremdsprache probieren, aber letzten Endes klappte das auch.
Jean-Yves, der Besitzer der Roulotte-Vermietung, war sehr geduldig, erklärte mir zur Not auch alles mehrmals mit unterschiedlichen Worten und wir erfuhren einiges wissenswertes. Zum Beispiel, dass das Roulotte ca. eine Tonne wiegt und mit Pferd eine Länge von ca. 9m hat (man muss die Kurven also großzügig nehmen). Die Pferde wiegen zwischen 800-1.000 kg, sind sehr genügsam und kennen die Strecken in- und auswendig. Die Routen waren mit 12-15km/Tag gut zu schaffen.
Unser "erstes" Pferd, Sandra, wurde angeschirrt. Für mich, die noch nie ein Pferd vor irgendetwas gespannt hat, sah das ziemlich kompliziert aus. (Mein Freund hatte weniger Probleme und konnte am Ende dieser Woche das Pferd komplett alleine an- und ausspannen.)



Das Pferd, welches ursprünglich für die zweite Route angedacht war, hatte leider ein Hufeisen verloren (später fand ich es auf der Weide und durfte es tatsächlich mit nach Hause nehmen. Wenn wir jetzt kein Glück haben! ;-)
Wir wichen also auf ein Ersatzpferd aus, Popeye, der etwas flotter unterwegs war als Sandra, obwohl er schon fast ein Pferde-Opa war. Hügel nahm er nämlich ganz gerne mal im Trab. Das konnte einen manchmal ein bisschen überraschen, weil man die Strecke selbst ja nicht kannte und nicht jeder Hügel in der kurvigen Gegend sofort ersichtlich war.

Besonders hübsch fand ich die kleinen Steinhäuschen, meist mit blauen Fensterläden und mit vielen Blumen (hauptsächlich Rhododendron). Idyllischer geht es kaum!

Mit den Pferden lief es auch ziemlich gut. Einmal mussten wir Jean-Yves zur Hilfe rufen, weil Popeye einfach nicht weiter wollte, aber das Problem wurde schnell behoben und ansonsten hatten wir keine Probleme. In den Umgang mit dem Roulotte kam man recht schnell rein und irgendwann übernahm sogar unsere Tochter die Zügel.

Neben der schönen Landschaft war die Entschleunigung das Schönste an unserem Urlaub im Roulotte. Man kommt nicht schnell vorwärts. Wozu auch? Der Weg ist das Ziel.
Und auf den Keks gingen wir uns überraschenderweise auch nicht, obwohl wir fast die ganze Zeit aufeinander hingen.
Vielen Dank an Jean-Yves und Jean-Pierre, die uns täglich mit dem An- und Abschirren der Pferde halfen. Und uns zum Schluß tatsächlich noch ein Diplom für den Umgang mit dem Roulette verliehen ;-) Wir hatten sehr viel Spaß!
Mit diesem Gefühl machten wir uns ein bisschen traurig auf den Weg und verließen die schöne Bretagne in Richtung Normandie. Aber dieser Bericht (zusammen mit vielen weiteren Fotos) folgt dann in den nächsten Wochen :-)